Der Klimawandel wirkt sich zunehmend auf die Gesundheit, Arzneimittelversorgung und das gesamte Gesundheitssystem aus. Steigende Temperaturen, Extremwetterereignisse und Umweltverschmutzung beeinflussen sowohl die Entstehung von Krankheiten als auch die Stabilität pharmazeutischer Lieferketten und damit langfristig die eigene Gesundheit. Vor diesem Hintergrund entstand die Initiative Pharmacists for Future (Ph4F), die Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Gesundheitsschutz indirektem Zusammenhang miteinander betrachtet und als zentrale Zukunftsthemen der Pharmazie begreift und vorantreibt.
Pharmacists for Future ist eine deutschlandweite, ehrenamtliche Initiative, in der das gesamte pharmazeutische Spektrum vertreten ist: Von Pharmaziestudierenden und Pharmazeutinnen im Praktikum (PhiP) über PTA und Apothekerinnen bis hin zu Renter*innen sind alle Altersklassen zu finden. Zudem sind die meisten Mitglieder in unterschiedlichen Arbeitsfeldern tätig, etwa in öffent lichen Apotheken, Krankenhausapotheken, der pharmazeutischen Industrie, in Forschungseinrichtungen oder Behörden, wodurch die Initiative sehr breit aufgestellt ist.
Die Pharmacists for Future sind im Februar 2021 aus dem Verein demokratischer Pharmazeutinnen und Pharmazeuten (VdPP) als eigenständiges Netzwerk hervorgegangen, sodass sie dieses Jahr bereits ihr fünfjähriges Bestehen feiern. Formal sind sie bis heute an den VdPP angegliedert, was sich jedoch nicht auf die Aktivitäten und Projekte auswirkt. Ph4F organisiert sich dezentral: Innerhalb der Initiative gibt es vier Regionalgruppen mit den jeweiligen Ansprechpartnerinnen. In diesen Gruppen werden lokale Projekte bearbeitet und umgesetzt, zum Beispiel Klimastreiks oder die Vorbereitung von Anträgen für den Deutschen Apothekertag (DAT) im jeweiligen Kammergebiet. Die Koordination erfolgt überwiegend digital in Form von monatlichen Online-Treffen über Zoom, zu denen Gäste mit wechselnden Inputs eingeladen werden. Einmal im Jahr tauschen sich die Ph4F zusätzlich in Präsenz aus.

Wofür setzen sich die Ph4F ein?
Zentrales Anliegen der Pharmacists for Future ist es, Nachhaltigkeit und Umweltschutz fest in der Pharmazie zu verankern, da diese Bereiche unmittelbar mit dem Schutz der eigenen Gesundheit einhergehen. Die Initiative macht darauf aufmerksam, dass eine intakte Umwelt im Sinne des One-Health-Ansatzes eine wesentliche Voraussetzung für die globale Gesundheit der Bevölkerung ist. Konkret setzen sich die Ph4F unter anderem für folgende Ziele ein:
- Reduktion von Umweltbelastungen durch Arzneimittel, etwa durch einen bewussteren Umgang mit Arzneimitteln entlang der gesamten Wertschöpfungskette, d.h. von der Entwicklung bis zur Entsorgung
- Förderung nachhaltiger Strukturen in Apotheken als Betriebsstätten und im Gesundheitswesen allgemein
Sensibilisierung von pharmazeutischem und medizinischem Fachpersonal sowie der Öffentlichkeit für den Zusammenhang zwischen Klima, Umwelt und Gesundheit - Integration von Nachhaltigkeitsthemen in der Ausbildung, im Pharmaziestudium sowie in berufsbegleitenden Fortbildungen
Im Fokus steht die langfristige Gesundheitsvorsorge durch die Einbeziehung von Klima- und Umweltaspekten in die tägliche Apothekenpraxis, denn Klima- und Umweltschutz sind unmittelbarer Gesundheitsschutz.
Ph4F verfolgen dabei einen wissenschaftlich fundierten Ansatz und stützen ihre Arbeit auf aktuelle Erkenntnisse aus Pharmazie, Medizin und Umweltwissenschaften. Außerdem schätzen sie die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit verwandten Gesundheitsprofessionen und Stakeholdern wie dem Umweltbundesamt, der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit e.V. (KLUG) oder der Arbeitsgemeinschaft Nachhaltigkeit in der Dermatologie (AGN).
Bereits umgesetzte Projekte und Aktivitäten
Seit ihrer Gründung haben die Ph4F eine Vielzahl von Projekten und Aktivitäten angestoßen und erfolgreich umgesetzt. Einer ihrer Schwerpunkte liegt auf der Öffentlichkeitsarbeit und Wissensvermittlung. Neben zahlreichen Publikationen in der pharmazeutischen Fachpresse ist die Initiative regelmäßig auf Fachkongressen und Messen präsent, etwa der Interpharm, expopharm oder der in Kürze anstehenden und von MEZIS veranstalteten Fachtagung zur Zukunft der Arzneimittelversorgung. Neben zahlreichen Vortragstätigkeiten für diverse Landesapothekerkammern im Rahmen des Bundesapothekerkammer(BAK)Curriculums der modularen Fortbildung „Klima, Umwelt und Gesundheit“ haben die Ph4F ihre eigene Fortbildungsreihe „Nachhaltigkeit von Arzneistoffen und Umweltschutz im Pharmasektor“ konzipiert, die kostenlos auf ihrem YoutubeKanal zur Verfügung steht.
Darüber hinaus haben die Ph4F diverse Beratungstätigkeiten inne, zuletzt beispielsweise im Rahmen der Machbarkeitsstudie Arzneimittelindex Umwelt. Dabei handelt es sich um ein Projekt des Umweltbundesamtes in Kooperation mit dem Ecologic Institut sowie der ChristianAlbrechtsUniversität zu Kiel, bei dem die Umweltverträglichkeit von Arzneimitteln bei Therapie entscheidungen zukünftig berücksichtigt werden soll. Ferner geben die Ph4F regelmäßig Pressemitteilungen heraus, beispielsweise zur aktuell viel diskutierten vierten Reinigungsstufe von Kläranlagen.
Wer sich darüber informieren möchte, wie die eigene Apotheke nachhaltig aufgestellt werden kann, findet hilfreiche Tipps in dem Fachbuch „Die nachhaltige Apotheke“. Dieses wurde von Esther Luhmann, einer der Gründerinnen von Ph4F, herausgegeben. Auf der Website der Initiative steht weiteres Informationsmaterial für Apotheken zum Download bereit, darunter zum Beispiel die Checkliste „nachhaltige Apotheke“. Darüber hinaus bringt sich die Initiative in die berufspolitische Diskussion ein, indem Anträge für den Deutschen Apothekertag vorbereitet und über die jeweiligen Landesapothekerkammern beim DAT eingereicht werden. Daraus ist beispielsweise das (BAK)-Curriculum der modularen Fortbildung „Klima, Umwelt und Gesundheit“ entstanden, das Ende November 2023 von der Mitgliederversammlung der BAK verabschiedet wurde. Nachhaltigkeit auf struktureller und politischer Ebene stärker zu etablieren, ist somit ein weiteres Ziel, das die Ph4F ehrgeizig verfolgen.
Aktuelle Projekte und Vorhaben
Die Projekt-Pipeline der Ph4F ist gut gefüllt: Die Initiative arbeitet derzeit u. a. am Ausbau bestehender Informationsangebote, zum Beispiel in Form einer zweiten Staffel der oben genannten Fortbildungsreihe, die Apotheken bei der Umsetzung nachhaltiger Maßnahmen unterstützen sollen. Ein zentraler Fokus liegt auf der Integration von Nachhaltigkeitsaspekten im Pharmaziestudium und in der PTA-Ausbildung. Die Initiative setzt sich dafür ein, dass Nachhaltigkeit, Umweltwirkungen von Arzneimitteln und klimabezogene Gesundheitsfragen stärker in den jeweiligen Lehrplänen berücksichtigt werden. Langfristig soll dadurch bereits in der pharmazeutischen Ausbildung ein Bewusstsein für diese wichtigen Themen entstehen. Nach dem Gemeinschaftsstand „Die Apotheke der Zukunft“ mit insgesamt elf Partnern auf der expopharm2025 in Düsseldorf, die allesamt ressourcenoptimierte und umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen angeboten haben, geht das Projekt „Die Apotheke der Zukunft“ in die nächsten Runde. Auch auf der diesjährigen expopharm in München werden die Ph4F wieder präsent sein, dieses Mal jedoch mit einem mehr als doppelt so großen Gemeinschaftsstand, mit bewährten und neuen Partnern und in bester Lage innerhalb der Schlossallee. Die Vorbereitungen für dieses Mammutprojekt laufen derzeit auf Hochtouren.
Wie kann ich mich engagieren?
Interessierte können sich unabhängig von ihrem Ausbildungsstand oder beruflichen Hintergrund bei Ph4F einbringen. Ob Pharmaziestudierende, PTA, PhiP oder gestandener Apothekerin – neue Gesichter sind stets willkommen! Ph4F trifft sich jeden ersten Dienstag im Monat via Zoom. Je nach Interessen, Fähigkeiten und zeitlichen Kapazitäten können sich Interessierte in einer für sie passenden Arbeitsgruppe einbringen, in der die eigentliche Planung und Umsetzung der Projekte stattfindet. Der Zeitaufwand ist sehr flexibel und kann individuell angepasst werden. Manche Mitglieder engagieren sich regelmäßig, andere wiederum projektbezogen oder einmalig mit einem kleineren Zeitbudget. Kurzum: Alles kann, nichts muss, aber jeder Beitrag zählt – egal, wie groß oder klein dieser ist! Vorkenntnisse sind nicht zwingend erforderlich. Wichtig sind vor allem Interesse an den Themen Pharmazie, Umwelt, Klima, Gesundheit sowie Offenheit für Zusammenarbeit und die Bereitschaft, sich mit wissenschaftlichen Inhalten auseinanderzusetzen. Mitmachen lohnt sich!