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Diese Berufswege gibt es nach dem Studium

Mit einem absolvierten Pharmaziestudium eröffnen sich zahlreiche Möglichkeiten in der Arbeitswelt. Ob in der öffentlichen Apotheke, der pharmazeutischen Industrie oder im Krankenhaus: Die Liste der möglichen Tätigkeitsfelder ist lang. Deshalb ist es ratsam, sich bereits während des Studiums über potenzielle Einsatzgebiete zu informieren, um mit dem Start in das Berufsleben die für sich bestmögliche Entscheidung zu treffen.

Nach vier Jahren an der Hochschule, einem praktischen Jahr und drei absolvierten Staatsexamensprüfungen hält man als frischgebackener Apotheker oder Apothekerin die lang ersehnte Approbationsurkunde in der Hand. Viele wissen zu diesem Zeitpunkt genau, wie der weitere berufliche Werdegang aussehen wird.

Andere sind jedoch hin- und hergerissen und noch unsicher, welcher Tätigkeitsbereich am besten für sie geeignet ist. Da das Pharmaziestudium als akademischer Gesundheitsberuf für alle Absolventen und Absolventinnen gleich gestaltet ist, hat man im Anschluss die Möglichkeit, in die öffentliche Apotheke zu gehen oder in ein anderes Fachgebiet einzutauchen.

Im Studium: Praktika nutzen für Erfahrungen

Um zum Start in das Berufsleben nicht komplett orientierungslos dazustehen, sollte man die Studentenzeit, so
gut es geht, nutzen, um in diverse Fachbereiche hineinzuschauen. Während ein Teil der Famulatur (vier Wochen) und des praktischen Jahres (sechs Monate) immer in einer öffentlichen Apotheke absolviert werden muss, kann das Einsatzgebiet der anderen Hälfte frei gewählt werden. Es ist empfehlenswert, sich bereits zu Beginn des Studiums mit anderen Fachbereichen zu beschäftigen, um eine passende Praktikumsauswahl zu treffen [1].

Die Liste der möglichen Tätigkeitsfelder ist lang. Bei der Bewerbung sollten neben den fachlichen Interessen innerhalb der Pharmazie auch weitere persönliche Vorstellungen über das spätere Berufsleben berücksichtigt werden: Welcher Themenbereich des Studiums macht mir besonders viel Spaß, und worüber würde ich gern mehr erfahren? An welchem Ort möchte ich später arbeiten? Wie stelle ich mir meine Arbeitszeiten vor, und wie viel Verantwortung möchte ich einmal übernehmen? Reizt mich ein großer Konzern oder eher ein kleineres mittelständisches Unternehmen?

Diese Überlegungen können dabei helfen, einen geeigneten Praktikumsplatz auszuwählen. Je mehr verschiedene Firmen man besucht, desto größer wird zudem das eigene Netzwerk an Fachpersonen, die einen langfristig dabei unterstützen können, in einem bestimmten Bereich Fuß zu fassen.

Die richtige öffentliche Apotheke finden

Wer eine Karriere in der öffentlichen Apotheke anstrebt, sollte auch hier darauf achten, dass die persönlichen
Interessen in der jeweiligen Einrichtung langfristig einen Platz finden. Kleine Apotheken ermöglichen einen
besonders abwechslungsreichen Arbeitsalltag, da man neben dem Handverkauf auch zahlreiche andere Tätigkeiten im Backoffice ausführt. Dazu gehören unter anderem Warenwirtschaft, Rezeptkontrolle, Dokumentation, Qualitätsmanagement, Rezeptur, Aktionsplanung, Category Management, Einkauf, Buchhaltung, Gespräche mit Mitarbeitenden, medizinischem Personal sowie dem Außendienst. In großen Apotheken oder Filialverbänden hat man häufig die Möglichkeit, sich auf einen engeren Aufgabenbereich zu spezialisieren. In Führungspositionen, wie etwa der Filialleitung oder Inhaberschaft, treten dann immer mehr kaufmännische und organisatorische Aufgaben in den Vordergrund.

Dazu gehören beispielsweise Personalplanung, Urlaubskoordination, Verhandlungen mit Dienstleistern, Budgetplanung, das Erkennen und Lösen von alltäglichen Problemen, Recruiting sowie regelmäßige Mitarbeitergespräche. Im Rahmen der Apotheke gibt es demnach zahlreiche Aufstiegschancen, die mit mehr Verantwortung und einer steigenden Vergütung einhergehen. Außerdem sind Apotheken in vielen Fällen auf einen bestimmten Themenbereich spezialisiert. Es gibt zum Beispiel Schwerpunktapotheken für Phytopharmazie, Ernährungsberatung, Eigenmarken, pharmazeutische Dienstleistungen, Stuhlanalysen, Kosmetik, Mikronährstofftherapie, Cannabis-Versorgung und Homöopathie.

Auch die Beratung bestimmter Patientengruppen wie etwa HIV- und Krebspatienten oder Eltern mit Kindern können Schwerpunkte darstellen. Andere Apotheken verblistern Arzneimittel und versorgen damit Heime oder haben einen eigenen Groß- bzw. Versandhandel integriert. Möchte man eine Weiterbildung zum Fachapotheker oder zur Fachapothekerin für Allgemeinpharmazie absolvieren, sollte man bei der Auswahl des Arbeitsplatzes darauf achten, dass es sich um eine zertifizierte Weiterbildungsstätte handelt.

Die Weiterbildung wird bei der jeweiligen Apothekerkammer angemeldet, dauert drei Jahre und umfasst neben der praktischen Ausbildung das Absolvieren verschiedener Fortbildungsveranstaltungen und Seminare. Mit diesen Informationen und Überlegungen im Hinterkopf kann man direkt zu Beginn des Berufslebens viele richtige Entscheidungen treffen, um langfristig in der für einen selbst richtigen Apotheke anzukommen Kommt für einen persönlich der Arbeitsplatz öffentliche Apotheke nicht infrage kann man in einen anderen Berufszweig wechseln. Viele Apothekerinnen und Apotheker, die in anderen Fachbereichen tätig sind, beschreiben, dass sie sich gern weiterentwickeln wollten, aber eine Inhaberschaft persönlich nicht infrage kam. Andere sehnten sich vor allem nach einem breiteren Einblick in die Gesundheitsbranche oder wollten ihr pharmazeutisches Wissen aus dem Studium intensivieren bzw. im Beruf stärker aus leben, als es im klassischen Apothekenalltag möglich war. Auch eine patientennahe Arbeit mit klinischem Schwerpunkt oder eine engere Zusammenarbeit mit anderen Berufszweigen sind Gründe, einen anderen Weg einzuschlagen.

Einsatz in der pharmazeutischen Industrie

Approbierte haben auch die Möglichkeit, in der pharmazeutischen Industrie bzw. in einem Pharmaunternehmen zu arbeiten. Viele Betriebe bieten sogenannte Trainee Programme an, in denen man hintereinander und zeitlich begrenzt in verschiedenen Bereichen eingesetzt wird. Zu den möglichen Arbeitsbereichen gehören unter anderem Forschung und Entwicklung, Zulassung, Projektmanagement, Herstellung, Qualitätskontrolle, Qualitätssicherung, Marketing, Vertrieb, Abrechnung, Erstellung individueller Versorgungskonzepte und Arzneimittelinformation. Je nach Weiterbildung und Qualifikation kann man langfristig verschiedene leitende Tätigkeiten ausüben oder auch als Sachkundige Person nach §15 AMG (Qualified Person, QP) oder Stufenplanbeauftragter bzw. -beauftragte arbeiten [2].

Als Beispiel sei die industrielle Arzneimittelherstellung genannt, in der man als Apotheker oder Apothekerin die Leitung übernehmen kann. Hier werden Arbeitsabläufe koordiniert, Vorgaben und Richtlinien überprüft, Mitarbeitende geschult sowie Prozesse anhand von Qualität und Effektivität stetig optimiert. Außerdem arbeitet man interdisziplinär mit anderen Berufsgruppen zusammen, was für einen interessanten und abwechslungsreichen Arbeitsalltag sorgt [3]. Die Art der jeweiligen Aufgabe unterscheidet sich nochmals dahingehend, ob es sich um einen großen Pharmakonzern oder um ein mittelständisches Gesundheitsunternehmen handelt. Gibt beispielsweise eine Sachkundige Person in einem Konzern mit einer Unterschrift eine ganze Arzneimittelcharge frei, kann es sich in einem kleineren Unternehmen nur um eine einzelne patientenindividuelle Zubereitung handeln.

Krankenhausapotheke und wissenschaftliches Arbeiten

Die Arbeit in einer Krankenhausapotheke ermöglicht eine besonders patientennahe Tätigkeit und den engen
Austausch mit medizinischem Personal. Zu den Aufgabengebieten im Krankenhaus gehören die Entwicklung
von Therapiekonzepten, die Versorgung und Herstellung von Arzneimitteln, die Arzneimittelinformation, die
Mitarbeit an klinischen Studien sowie die Betreuung von Doktorarbeiten. Letzteres ist auch ein Tätigkeitsschwerpunkt von Pharmazeutinnen und Pharmazeuten, die an Universitäten oder wissenschaftlichen Einrichtungen arbeiten. Diese haben neben der Forschung einen Lehrauftrag und sind Teil von Prüfungskommissionen. Sie können auch an Berufsschulen für PTA oder PKA als Lehrkräfte tätig sein.

Approbierte arbeiten zudem in Behörden, Kammern oder Verbänden und beschäftigen sich je nach Position und Einrichtung mit Verwaltung, pharmazeutischen Rechtsgebieten, Organisation von Fortbildungen, der Vertretung pharmazeutischer Interessen, Beratung von Mitgliedern oder anderen Fachkreisen sowie der Durchführung von Inspektionen. Ähnlich verhält es sich beim Einsatz in einer gesetzlichen Krankenversicherung. Hier geht es vor allem um die Finanzierung der Arzneimittelversorgung, die Beratung von Fachpersonal und Versicherten, Einzelfallbewertungen und das Erstellen von Ausschreibungen für Rabattverträge.

Im Bereich der Gesundheitspolitik sind sie an Gesetzesänderungen beteiligt und vertreten die Interessen des Berufsstandes. Das setzt ein großes Maß an Berufserfahrung, ein breites Netzwerk und starke Kommunikationsfähigkeiten voraus. Auch Softwarehäuser, Apothekendienstleister oder Kooperationen sind Arbeitgebende für Approbierte. Hier bilden sie vor allem die pharmazeutische Schnittstelle und bringen in vielen Bereichen die Sicht des Apothekers mit ein. Wie sollte ein Produkt aufgebaut sein, damit es in der Apotheke auch Anwendung findet? Mit welchen Problemen und Herausforderungen ist das pharmazeutische Personal konfrontiert, und welche Lösungen können wir anbieten? Pharmazeutinnen und Pharmazeuten sind hier oft strategisch, prüfend, beratend, planend und als Ideengeber beteiligt. Weiterhin stellen Fachmedien wie der Deutsche Apotheker Verlag, der Sanitätsdienst der Bundeswehr, der pharmazeutische Großhandel und Hilfsorganisationen wie „Apotheker ohne Grenzen“ potenzielle arbeitgebende Institutionen dar.

Unternehmensgründung außerhalb der Apotheke

Andere Apothekerinnen und Apotheker suchen nach Möglichkeiten, ein Unternehmen aufzubauen, welches
für die Apotheke vor Ort einen besonderen Mehrwert bietet. Während der Corona-Pandemie gründeten die Apotheker Tamim Al-Marie und Michael Groh das Unternehmen Blue, welches die Immunkarte als
Impfzertifikat im Checkkartenformat auf den Markt brachte und heute Digitalstrategien für Apotheken anbietet. Stephan Torke, Apotheker und Inhaber der Grund Apotheke in Freital, betreibt zusammen mit seinem Geschäftspartner die Stark-Consulting OHG, eine Unternehmensberatung für öffentliche Apotheken, die sich auf Prozessoptimirung und Rechnungsanalyse bzw. -prüfung spezialisiert hat. Auch Julian Gorski, Mitgründer des Start-ups Upscale-Pharma, ist Apotheker und entwickelt zusammen mit seinem Team eine spannende Schulungs-App für das Personal in der Apotheke.

Zusatzqualifikationen von Vorteil

Im Pharmaziestudium wird der Fokus vor allem auf die pharmazeutische Ausbildung gelegt, wohingegen
kaufmännische, betriebswirtschaftliche und tiefer gehende Aspekte fehlen. Für viele Tätigkeitsbereiche ist es deshalb ratsam, eine Zusatzqualifikation anzustreben. Neben den Weiterbildungsmöglichkeiten zum
Fachapotheker oder zur Fachapothekerin können auch weiterführende Studiengänge sinnvoll sein.
Dazu gehören beispielsweise neben dem Betriebswirt für Pharmazie auch der Master of Business Administration (MBA) in Health Care Management [4]. Für eine Arbeit in der Forschung ist es häufig von Vorteil, nach dem abgeschlossenen Pharmaziestudium an der Universität eine Diplom- oder Doktorarbeit in einem passenden Fach zu absolvieren.

Wo findet man offene Stellen?

Wer sich für die Arbeit außerhalb der öffentlichen Apotheke interessiert, sollte Unternehmen in der näheren
Umgebung ausfindig machen, welche spannende Arbeitsfelder anbieten. Hier kann online nach offenen Stellen auf den jeweiligen Karriereseiten recherchiert werden. Auch Initiativbewerbungen sind möglich, insbesondere dann, wenn man ein spezielles Unternehmen und eine konkrete Vorstellung des Einsatzgebietes im Auge hat.
Das Besuchen von Fortbildungsveranstaltungen und Messen hilft dabei, neue Kontakte zu knüpfen und auf potenzielle Arbeitsfelder aufmerksam zu werden. Weiter hin lohnt sich ein Blick auf die Website der Landesapothekerkammern oder in soziale Netzwerke wie LinkedIn, die über aktuelle und offene Stellen informieren.

Best Practice: Von der Apotheke zum Softwareanbieter

Dass der Werdegang als Apothekerin facettenreich sein kann, zeigt zum Beispiel der berufliche Weg von Catrin
Miragall. Die Apothekerin lebt heute in Regensburg und ist seit circa fünf Jahren beim Software-Anbieter ADG
beschäftigt. Bereits während des Studiums interessierte sie sich für die Vielseitigkeit des Berufs und absolvierte freiwillige Praktika bei Dr. Hauschka im Produktmanagement und bei Novartis im Bereich klinische Studien in der Neurologie, wo sie auch einen Teil ihres Praktischen Jahres verbrachte. Nach einigen Jahren in der öffentlichen Apotheke und nebenberuflicher Tätigkeit als Schulungsaußendienst, entschied sie sich gegen die Übernahme der familiären Apotheke.

Im Jobportal der Landesapothekerkammer fand sie schließlich eine Stellenanzeige der ADG für die Weiterentwicklung der Apothekensoftware. Zu ihren ersten Aufgaben gehörten Produktkonzeption und Qualitätssicherung sowie der Austausch mit den Apotheken vor Ort. Heute kümmert sie sich um das Management von pharmazeutischen Produkten, wie die Dokumentation von Betäubungsmitteln, das Recherche-Tool, die elektronische Patientenakte und die pharmazeutischen Dienstleistungen. Catrin Miragall sieht sich als Joker für die Frage: „Was würde man in der Apotheke vom Produkt erwarten?“ Sie schult unter diesem Gesichtspunkt die ADG-Kunden und koordiniert auch Webinare. Catrin Miragall empfiehlt allen, neugierig zu sein und Chancen zu ergreifen, die sich im Alltag bieten: Sei es eine Stellenanzeige, die ein Bauchkribbeln hervorruft, oder eine Kollegin, die von ihrem neuen Job erzählt. Außerdem ist es ratsam zu schauen, welcher Bereich einem individuell gefällt und wie zukunfts orientiert er ist. Sie arbeitet nach wie vor einige Stunden im Monat in der öffentlichen Apotheke, um den Praxisbezug nicht zu verlieren und beide Bereiche bestmöglich zusammenzubringen.

Literatur

[1] Gommlich A. BPhD-Kolumne: Warum man Pharmazie studieren sollte. DAZ.online vom 30. September 2024,
www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2024/09/30/warum-man-pharmazie-studieren-sollte
[2] Das Berufsbild der Apothekerin und des Apothekers. Bundesapothekerkammer, Stand: 16. Juni 2016, www.abda.de/fileadmin/user_upload/assets/Ausbildung_Studium_Beruf/Berufsbild_BAK-MV_16_06_16.pdf
[3] Pharmazeutische Tätigkeitsfelder außerhalb der Apotheke.Herausgegeben von der Fachgruppe
WIV-Apotheker –Apotheker in Wissenschaft, Industrie und Verwaltungen und der Fachgruppe Industriepharmazie
der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG), 3. aktualisierte und erweiterte Auflage, 2011,
www.uni-regensburg.de/assets/chemie-pharmazie/fachschaft-pharmazie/pdf-dokumente/downloads/infoheft_taetigkeiten_ausserhalb_der_apotheke.pdf
[4] MBA Health Care Management. Informationen der Campus-Akademie für Weiterbildung Universität Bayreuth, www.campus-akademie.uni-bayreuth.de/de/studiengaenge/mba-health-care-management/index.html

Carolin Kühnast

studierte Pharmazie an der Universität Leipzig und erhielt 2015 die Approbation. Nach langjähriger Tätigkeit als Filialleiterin in einer öffentlichen Apotheke arbeitet sie nun als freiberufliche Fachautorin unter anderem für die DAZ und PTAheute.de.