Der Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland e.V. (BPhD) setzt sich in der Politik für die Weiterentwicklung des Pharmaziestudiums und die Vertretung der Studierenden ein. Doch auf welcher Grundlage entscheidet der Bundesverband, und wie entstehen die Forderungen an die Politik?
In diesem Bericht über die 139. Bundesverbandstagung (BVT) in Berlin, die vom 7. bis zum 9. November 2025
stattgefunden hat, erfahrt ihr alles rund um dieses Event der politischen Mitbestimmung. Wer weiß, vielleicht
fahrt ihr ja demnächst auch mit auf die 140. BVT in Freiburg und könnt hieraus einiges mitnehmen.

Was ist die BVT?
Halbjährlich treffen sich Vertretende aller 22 Pharmazie-Standorte in Deutschland, um zusammen über die Zukunft des Bundesverbands zu bestimmen. Der BPhD stellt eine Verbindung von Studierenden und Pharmazeutinnen im Praktikum (PhiP) mit der Berufs- und Standespolitik her, wie den Apothekerkammern oder dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und weiteren Institutionen wie beispielsweise dem Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP).
Dabei will der BPhD direkt Einfluss auf die Inhalte des Studiums, der Prüfungen und des Praktischen Jahres (PJ) nehmen. Ein Hauptaugenmerk liegt dabei auf der lange geforderten Novellierung der Approbationsordnung für Apothekerinnen (AAppO). Um die Studierenden vertreten zu können, werden durch die entsendeten Delegierten der Fachschaften/Fachgruppen auf den BVTs Positionspapiere und Anträge abgestimmt, die die Arbeitsgrundlage des Vereins bilden. Die Fachschaften/Fachgruppen vertreten dabei die Meinungen der Studierenden ihrer Standorte und können sie direkt durch Änderungsvorschläge oder eigene Anträge einbringen. Die Positionspapiere beziehen sich auf das Studium selbst sowie die Arbeitswelt danach.
So wurden zum Beispiel auf der 139. BVT in Berlin im November Positionspapiere zu verbesserten Studienbedingungen und erweiterten Qualifikationen für Pharmazeutisch technische Assistent*innen (PTAs), Fachkräfte- und Nachwuchsmangel sowie Rahmenbedingungen in der praktischen Ausbildung mit Anpassung des praktikumsbegleitenden Unterrichts (PBU) von den Studierenden verabschiedet. Der Vorstand des Bundesverbandes, welcher voll besetzt aus 21 gewählten Personen besteht, handelt auf Grundlage der Forderungen der Studierenden, die in Positionspapieren festgehalten werden, sowie der beschlossenen Anträge.
Was wurde auf der 139. BVT beschlossen?
Praktikumsbegleitender Unterricht
Auf Grundlage der geforderten Novellierung der Approbationsordnung für Apotheker*innen wurden zwei Positionspapiere zu den Rahmenbedingungen in der Praktischen Ausbildung und den begleitenden Unterrichtsveranstaltungen im PJ verabschiedet. Für die Studierenden ist eine festgelegte Lernzeit im PJ, in der sich PhiPs mit ihren Recherche-Projekten und Ausbildungsgesprächen beschäftigen können, wichtig. Diese Lernzeit soll mindestens 10 % der Arbeitswoche oder einen halben Arbeitstag in der Woche betragen.
Zum Anlass dessen, dass es bisher keine einheitlichen Regelungen zum Umgang mit Krankheitstagen im PJ gibt, fordern die Studierenden, dass krankheitsbedingte Kurzausfälle von bis zu zwei Wochen nicht mit Urlaubstagen verrechnet werden und die Fehlzeitenregelung mit in die AAppO aufgenommen wird. Besonders mit Blick auf die steigenden Lebenshaltungskosten empfinden die Studierenden die Vergütung im PJ als zu niedrig und fordern eine Erhöhung der monatlichen Ausbildungsvergütung und die Berücksichtigung von bereits abgeschlossenen Ausbildungen in der Vergütung.
Um Pharmazeut*innen mit besonderen Herausforderungen das PJ zu vereinfachen oder zu ermöglichen, fordern die Studierenden, das PJ in Teilzeit ablegen zu können. Auch die Übergangszeit zwischen PJ und Approbation sollte dem PJ angepasst werden und der Berufseinstieg durch Anpassung der Richtlinien vereinfacht werden.
Pharmazeutisch-technische Assistent*innen
Die Studierenden sehen in der stärkeren Integrierung von PTAs im Studium mit den Erfahrungen, die sie in der Apotheke gesammelt haben, eine Möglichkeit, das Studium für alle zu verbessern und den PTAs einen leichteren Einstieg ins Studium zu bieten. Mit dem Referentenentwurf des Gesetzes zur Weiterentwicklung der Apothekenversorgung (Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz, ApoVWG) rücken PTAs mit ihrer Expertise weiter in den Fokus, das sollte im Studium nicht anders sein. Momentan ist es abhängig vom Studienstandort, wie viele und welche Leistungen sich PTAs im Studium anrechnen lassen können. Dies sollte den Studierenden nach bundesweit einheitlich angerechnet werden, sodass je nach Studienstandort keine Nachteile entstehen.
Besonders das Arzneiformenlehre Praktikum im Grundstudium sollte angerechnet, jedoch die Prüfung am Ende abgelegt werden, um eine einheitliche Leistungsüberprüfung zu gewährleisten. Auch andere Praktika sollten verkürzt oder ganz anerkannt werden können. Da PTAs in ihrer Ausbildung bereits ein sechsmonatiges Apothekenpraktikum mit Führen eines Tagebuchs und mit abschließender mündlicher Prüfung ablegen müssen, fordern die Studierenden, dass die Kürzung des PJs für PTAs möglich sein sollte.
Zuletzt wurde die Rolle der PTAs in der Apotheke verändert mit der Änderung der Apothekenbetriebsordnung, die am 1. Januar 2023 in Kraft trat und besagt, dass PTAs auch ohne Aufsicht eines*r Apotheker*in pharmazeutische Tätigkeiten unter gewissen Bedingungen ausführen dürfen. Die Studierenden fordern in diesem Zusammenhang den Gesetzgeber auf, eine Weiterqualifikation für eine Kompetenzerweiterung für PTAs zu ermöglichen und diese entsprechend zu honorieren. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) soll dazu die Kompetenzerweiterung von PTAs als sinnvollen Schritt für die Weiterentwicklung der Apotheken anerkennen und mit dem Bundesverband PTA (BVpta) zusammen Kompetenzerweiterungen erarbeiten.

Fachkräfte- und Nachwuchsmangel
Die Lage der deutschen Apotheken verschärft sich durch den immer weiter steigenden Fachkräfte und Nachwuchsmangel. Der BPhD fordert deshalb konkrete Maßnahmen, um dem zunehmenden Mangel an pharmazeutischem Nachwuchs zu begegnen und die flächendeckende Arzneimittelversorgung nachhaltig abzusichern. Bereits 2021 forderte die Apothekerschaft die „Schaffung der rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen zur Erhöhung der Anzahl der Studienplätze im Fach Pharmazie“ und eine Ausweitung der Studienplätze in Betracht auf die geplanten Ausweitungen der pharmazeutischen Dienstleistungen, was der BPhD unterstützt.
Das Studienfach Pharmazie wird nicht flächendeckend in Deutschland angeboten, sodass eine Versorgung mit pharmazeutischem Personal in manchen Teilen Deutschlands eingeschränkt ist. Die Studierenden fordern verstärkte Maßnahmen zur Nachwuchsgewinnung, bessere Ausbildungsbedingungen und eine Stärkung der öffentlichen Apotheken sowie die passenden finanziellen Rahmenbedingungen für eine Erhöhung der Studienplätze. Dabei sollte jedoch auch die Ausbildungsqualität nicht unter der Erhöhung der Studienplätze leiden. Daneben wird gefordert, dass das Verfahren zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen weiter bürokratisch vereinfacht und auf Bundesebene ergänzt wird, um den Fachkräftemangel nachhaltig zu bekämpfen.
Rahmenprogramm
Neben dem Plenum zum Vereinsgeschehen wird bei der BVT auch ein umfassendes Rahmenprogramm aus
Workshops und Trainings sowie einem abendlichen Unterhaltungsprogramm, z.B. Karaoke, geboten. Auch
gehört es dazu, mit Pharmaziestudierenden aus anderen Standorten Zeit zu verbringen.
Pharmazeutisches Blutspenden beim Vampire Cup
Im Oktober 2025 fand an vielen Standorten der jährliche Vampire Cup statt, ein weltweiter Blutspendemarathon des internationalen Dachverbandes International Pharmaceutical Students’ Federation (IPSF). Bei diesem wird mit etwas „Halloweenfeeling“ in die Kliniken und Blutspendezentralen gelockt, um auf die Relevanz und Dringlichkeit von Blutspenden aufmerksam zu machen.
Weiterbildung inklusive
Auf jeder Bundesverbandstagung gibt es eine Auswahl an Trainings und Workshops, bei denen die Studieren
den ihre Soft Skills verbessern oder ihr pharmazeutisches Wissen vertiefen können. Neben einem Clinical Skills
Event des IPSF, bei dem die Teilnehmenden einen Patient*innen-Fall zu Diabetes mellitus bearbeiten mussten und einen Preis gewinnen konnten, wurden verschiedene Soft-Skill-Trainings zu emotionaler Intelligenz in
der Pharmazie oder Gehaltsverhandlungen im PJ (besonders gerichtet an weiblich gelesene Personen) angeboten.
In diesem Training wurden wichtige Soft Skills wie selbstbewusste Kommunikation mit der richtigen Vorbe
reitung und geschickte Argumentation in Verhandlungsgesprächen sowie die passenden Rahmenbedingungen
während Gehaltsverhandlungen vermittelt. Auch die zwei Workshops zu Plausibilitätsprüfung und Optimierung pharmazeutischer Rezepturen sowie Zulassung in der Industrie boten Studierenden, die kurz vor ihrem PJ stehen, eine Möglichkeit, ihr Wissen auf die Probe zu stellen und zu erweitern.
Eine Veranstaltung voller Begegnungen, Diskussionen und Freude
Die BVT war auch im November wieder eine Veranstaltung voller Begegnungen, Diskussionen und ganz viel
Freude am gemeinsamen Zusammentreffen. Im Mai geht es weiter mit der 140. BVT in Freiburg, wo wieder fleißig abgestimmt, diskutiert und gewählt wird, um die Zukunft des Pharmaziestudiums zu verbessern.