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Im Pharmaziestudium als PTA – wie ist das?

Nach ihrem Abitur im Jahr 2019 besuchte Lydia eine Erfurter PTA-Schule und erwarb im März 2022
ihre Berufserlaubnisurkunde zur PTA. Im Anschluss bewarb sie sich an der Universität Heidelberg, wo sie seit Oktober 2022 Pharmazie studiert und sich aktuell im 7. Fachsemester befindet. In diesem Interview gibt sie uns vergleichend einen Einblick in ihre Erfahrungen als PTA in der Ausbildung und Studentin an der Uni
.

UniDAZ: Wie bist du auf das Fach Pharmazie gekommen?
Lydia: In meiner Schulzeit hatte ich den tollsten Chemieleistungskurs, den man sich wünschen kann.
Wir haben viel experimentiert und auch schon viele Mechanismen gelernt. Das war natürlich erst mal alles kompliziert, aber als ich dann den Durchblick hatte, machte mir das richtig Spaß! Nach dem Abi wollte ich unbedingt etwas mit Chemie machen. Durch die maiLab-Videos der Youtuberin Mai Thi Nguyen-Kim wusste ich aber, dass das „reine” Chemiestudium vermutlich nichts für mich ist. Also habe ich – ohne KI – geschaut, was es sonst noch so gibt. Wie es der Zufall wollte, war ich auf einer Ausbildungsmesse in Erfurt. Dort gab es einen „Fahrplan“, und die einzige Station, bei der Chemie vorkam, war die PTA-Schule, die ich später besucht habe. Plötzlich hatte die Chemie eine ganz neue Seite: eine, mit der man Menschen helfen kann und mit der noch mehr Wissen hinsichtlich der eigenen Gesundheit und Einblicke in die Medizin verbunden waren.
Davon war ich direkt begeistert!

UniDAZ: Was hat dich dann nach dem ersten Kontakt mit der Pharmazie dazu bewogen, zuerst die Ausbildung zur PTA zu absolvieren?
Lydia: Da ich in Erfurt gewohnt habe, wäre der nächste Studienort in der Umgebung Jena gewesen.
Ich habe mich aus Bequemlichkeit gegen Pendeln oder Umziehen entschieden. Also bin ich erst mal in der PTA-Schule geblieben, wusste aber schon von Beginn an, dass die Pharmazie genau mein Thema ist und ich gerne auch noch studieren möchte. Man könnte also sagen, dass ich die Ausbildung zunächst aus Bequemlichkeit abgeschlossen habe.

UniDAZ: Und wie lief deine Ausbildung ab?
Lydia: Meine PTA-Ausbildung gliederte sich in zwei Schuljahre, in denen ich Unterricht in Pharmazeutischer
Chemie, Pharmazeutischer Biologie, Galenik, Drogenkunde, Gesetzeskunde, Gefahrstoffkunde, Arzneimittelkunde, Medizinproduktekunde, Ernährungslehre, Körperpflegekunde, Englisch und Kommunikation erhielt. Passend dazu gab es pharmazeutisch-chemische Übungen, Übungen zur Drogenkunde, galenische Übungen und Apothekenpraxis für die Anwendung der Theorie. Hier konnte man bereits vieles ausprobieren. Nach den zwei Jahren fanden zehn Abschlussprüfungen in den wichtigsten Fächern statt, schriftlich, mündlich und praktisch. Danach schloss sich ein sechsmonatiges Praktikum in einer Apotheke an, welches ich in meiner Heimat absolvierte. Abschließend gab es eine mündliche Prüfung zu der Apothekenpraxis.

UniDAZ: Würdest du rückblickend etwas anders machen?
Lydia: Rückblickend betrachtet würde ich an der Entscheidung für die Ausbildung nichts ändern, denn
ich fand die Erfahrung der PTA-Schule wichtig und habe eine meiner engsten Freundinnen dort kennen
gelernt. Außerdem fand ich den Gedanken schön, das Angefangene erst zu Ende zu bringen und etwas
„in der Tasche” zu haben. Gedanklich habe ich mir das Studium immer als einen „Kopfsprung in die Chemie“ vorgestellt, sodass ich mir mit der PTA-Schule zunächst ein Grundgerüst aus Schwimmflügeln und Schnorchel gebastelt habe, um nicht im Chemie-Meer zu ertrinken.

UniDAZ: Was hat dich nach der Ausbildung motiviert, das Studium zu beginnen?
Lydia: In der Ausbildung habe ich viel Wissen in unterschiedlichen Bereichen der Pharmazie erworben. Zu vielen Arzneimitteln habe ich vereinfachte Wirkungsmechanismen, Interaktionen oder auch Nebenwirkungen gelernt, was mir für die Beratung im Apothekenalltag sehr geholfen hat. Ich wollte es aber auch genauer wissen: Warum gibt es diese und jene Nebenwirkung? Wie genau funktioniert die Interaktion mit den Enzymen? Das ist alles Wissen, das ich im Hauptstudium an der Uni erworben habe – und noch vieles mehr, denn natürlich ist die Pharmazie in der Tiefe so vielfältig wie eh und je.

UniDAZ: Welche Elemente oder Erfahrungen aus der PTA-Ausbildung haben dir im Studium am meisten geholfen?
Lydia: Der offensichtlichste Pluspunkt, den man mit einer abgeschlossenen PTA-Ausbildung im Studium hat, ist
die Famulatur. Diese acht Wochen des unbezahlten Praktikums in Apotheken kann man sich anrechnen lassen.
Am Ablauf der ersten ersehnten Semesterferien nach dem 2. Semester hat das jedoch nichts geändert. Ich
war trotzdem in der Apotheke, nur habe ich dafür Geld bekommen.

Aus der PTA-Ausbildung geholfen haben mir vor allem die Erfahrungen aus der Praxis. Damit meine ich sowohl
die Laborpraktika in der pharmazeutischen Chemie, Drogenkunde und der Galenik wie auch die praktische
Erfahrung aus der Apotheke, die ich im Laufe des halbjährigen Praktikums sammeln durfte.
Im Studium wird zuerst die Theorie abgearbeitet. Hier war es für mich immer hilfreich, bereits zu wissen, für
was genau ich diese Theorie lernen muss. Durch diese Verknüpfung mit der Praxis fiel mir auch das Lernen
leichter. Im ersten Laborpraktikum (das „Quali-Praktikum“ mit dem liebevoll genannten „Ionenlotto“) wusste
ich bereits, dass manche Versuche einfach nicht funktionieren und dass es nicht nur an mir liegt, wenn etwas
nicht klappt.

Mit dieser bereits vorher existierenden Frustrationstoleranz war es leichter, nicht allzu viel zu (ver)zweifeln. Das „Ionenlotto“ hatte ich in abgeschwächter Form in der Ausbildung schon bezwungen. Im vierten Semester stand das AFL-Praktikum an, das fühlte sich für mich wie nach Hause kommen an. In den Semesterferien habe ich immer in der Apotheke gearbeitet und konnte mich zurückerinnern, wofür ich mich durch das Grundstudium quäle. Auch nach dem Grundstudium konnte ich bisher noch viele Verknüpfungen der Theorie mit dem Apothekenalltag finden. In der medizinisch-pharmazeutischen Chemie lernt man die Strukturformeln von Arzneistoffen auswendig. Hier hatte ich den kleinen Vorteil, dass ich keine Indikationen mehr dazulernen musste und auch die meisten Wirkstoffnamen bereits aussprechen konnte. Es hilft einfach ungemein, wenn man vielleicht ein Bild einer Packung vor Augen hat oder wenn man weiß, welche Fragen dazu schon in der Apotheke gestellt wurden.

UniDAZ: Wir studieren nun im 7. Semester – was sind aus deiner Sicht die größten Unterschiede zwischen
Ausbildung und Studium?
Lydia: In der Ausbildung werden die chemische und galenische Theorie oft parallel zur Praxis unterrichtet, so
dass beides schnell verknüpft werden kann. Im Studium dagegen lernt man oft erst mal viel Theorie, bevor dann mit größeren zeitlichen Abständen das Wissen in der Praxis angewendet wird. Insgesamt bleibt an der Uni deutlich weniger Zeit für die Praxis, die Laborblöcke sind fest durchgetaktet, sodass weniger Zeit zum Ausprobieren bleibt. Das war an der PTA-Schule auf jeden Fall mehr und vielfältiger möglich, vor allem in Galenik und Chemie.

Gerade bei Galenik konnte hier also auch mal was schieflaufen, sodass man dann durch eine eigene Erfahrung zum Lernprozess und zum gewünschten Ergebnis kam – das ist beispielsweise im AFL-Praktikum an der Uni nur sehr begrenzt möglich. Im Hauptstudium werden zahlreiche berufspraktische Aspekte unter anderem im Fach Klinische Pharmazie besprochen, sodass z.B. die AMTS (Arzneimitteltherapiesicherheit) mit einem tieferen Einblick als in der PTA-Schule besprochen wird. Insgesamt geht es im Studium in vielerlei Hinsicht einfach mehr in die Tiefe – man lernt genauere Erläuterungen kennen, erlangt ein besseres Verständnis und kann sich schließlich viele Dinge besser selbst erklären, indem man neben dem Fachwissen auch mehr Datenbanken oder Recherchemöglichkeiten kennenlernt.

UniDAZ: Im Rahmen des Referentenentwurfs zur Weiterentwicklung der Apothekenversorgung Ende letzten Jahres wurde unter anderem die Möglichkeit diskutiert, dass berufserfahrene PTAs die Vertretung von Apothekern übernehmen können. Wie stehst du im Hinblick auf deine Erfahrungen dazu?
Lydia: Ich sehe insofern Chancen in der Idee, als dass so die Versorgung mit Arzneimitteln auch in infrastrukturell schwachen Gebieten Deutschlands aufrechterhalten und sichergestellt werden kann. Vor allem ältere Personen oder Menschen, die aufgrund von Einschränkungen kein Auto fahren können, stehen im Hinblick auf das Apothekensterben auf dem Land schnell vor Problemen. Zudem halte ich es für durchaus gerechtfertigt, gerade berufserfahrenen PTAs Verantwortung zu übertragen und zuzutrauen, auch wenn dann andere Aufgaben wie beispielsweise die Rezeptkontrolle oder die BtMDokumentation zeitlich liegen bleiben könnten.

Was ich an dem Vorschlag problematisch finde, ist, dass auf diese Art und Weise das grundlegende Problem nicht angegangen wird: Es dürfte zielführender sein, das Apothekensterben und den chronischen Personalmangel in öffentlichen Apotheken anzugehen, als das Problem so nur oberflächlich lösen zu wollen. Zahlreiche Apotheken können etwa die Öffnungszeiten nur aufgrund von Teilzeit Arbeitnehmer*innen abdecken, auch dies sollte dem Gesetzgeber bewusst sein. PTAs sollen hier Verantwortung für etwas übernehmen, wofür sie primär nicht ausgebildet und entlohnt werden – es ist fraglich, ob diese Entwicklung direkt im Interesse vieler PTAs ist. Außerdem müssen selbstständige Apotheker viele Entscheidungen selbst treffen, beispielsweise wenn es um die Belieferung teurer Rezepte geht, da hier auch direkt eine betriebswirtschaftliche Enscheidung mit der pharmazeutischen Entscheidung verknüpft ist.

Mein Vorschlag ist eher, vor allem auch für junge Apotheker*innen mehr Anreize zu schaffen, sich für die öffentliche Apotheke zu entscheiden, da viele meiner Kommilitonen lieber in der Industrie oder in Krankenhausapotheken arbeiten möchten, wo attraktivere Arbeitsbedingungen und Vergütung winken. Denkbar wären Spezialisierungen in der öffentlichen Apotheke, die über den Fachapotheker für Allgemeinpharmazie hinausgehen. Wie wäre es beispielsweise mit Apotheken, die sich gezielt auf die ambulante Medikationsanalyse spezialisieren? Ein weiterer Aspekt ist auch das Studium – zu vermitteln, dass es in der öffentlichen Apotheke nicht nur ums „Verkaufen“ geht, sondern dass es sich dabei um eine wichtige Schnittstelle unseres Gesundheitssystems mit einem sehr vielfältigen Arbeitsalltag handelt, bei dem man den Menschen sehr direkt in konkreten Fragen helfen kann. Ich denke, es wäre mehr geholfen, parallel die Apotheken vor Ort zu stärken und die öffentliche Apotheke attraktiver zu machen.

UniDAZ: Was ist dein persönliches Fazit im Vergleich von Studium und Ausbildung? Wem würdest du eher was empfehlen?
Lydia: Ich denke, es ist sehr beruhigend, bei allen Prüfungen und auch im Hinblick auf das 2. Staatsexamen, das noch auf mich zukommt, zu wissen, dass ich schon einen Berufsabschluss in der Tasche habe und dass ich – egal wie schlecht es läuft – nicht mit leeren Händen da stehen werde. Das gibt schon Sicherheit und nimmt ein wenig Nervenkitzel. Ganz allgemein lässt sich sagen, dass natürlich in der Ausbildung schneller das Labor dazu kommt und man direkt sehr viel und schnell Praxiserfahrung sammelt. Wer sich auch für die Theorie dahinter gut begeistern kann und an den fachlichen Hintergründen interessiert ist, sollte auf jeden Fall das Studium in Betracht ziehen. Aber Vorsicht – das Interesse und die Leidenschaft sollten schon groß sein, da sie definitiv auf eine harte Probe gestellt werden. Als Fazit würde ich sagen, dass einem die Ausbildung davor hilft, sich nicht im Ozean der Chemie zu verlieren, sondern das Ziel im Auge zu behalten und den Kopf immer über Wasser zu halten.

UniDAZ: Vielen Dank für das interessante Interview!

Johanna Häfflinger

ist Pharmaziestudentin an der Uni Heidelberg.

Lydia Tietz

ist Pharmaziestudentin an der Uni Heidelberg.