Apothekerin Caroline Frohner hat eine Hälfte ihres praktischen Jahres (PJ) in der Klinik für Nuklearmedizin an der Charité – Universitätsmedizin Berlin verbracht. Wie sie dazu kam, was sie dort gelernt hat und warum sie diese Erfahrung nicht missen wollen möchte, erzählt sie im Folgenden.
Mein Weg in die Radiopharmazie begann bereits früh: Während meines Pharmaziestudiums an der TU Braunschweig nahm ich im zweiten Semester an einer Exkursion in die Radiopharmazie der Charité teil. Bis dahin war mir dieser Bereich kaum bekannt. Umso gespannter war ich darauf herauszufinden, was sich hinter diesem Fachbereich verbirgt. Verstärkt wurde meine Neugier zusätzlich durch das Lesen der Biografie Marie Curies, die mich zu dieser Zeit fasziniert hat.
Damals führte uns Frau Prof. Dr. Spreckelmeyer, Bereichsleiterin der Radiopharmazie und Apothekerin, durch die Räumlichkeiten, und erklärte die verschiedenen Prozesse. Mit Generatoren und dem hauseigenen Zyklotron werden radioaktive Diagnostika und Therapeutika hergestellt, um die Klinik für Nuklearmedizin zuverlässig mit sämtlichen Radiopharmaka zu versorgen. Dazu gehört die Versorgung für radionuklidbasierte Therapien und verschiedene kombinierte Bildgebungsverfahren, nämlich die:
- Single-Photon-Emissions-Tomografie mit Computer-Tomografie (SPECT/CT),
- Positronen-Emissions-Tomografie mit Computer-Tomografie (PET/CT),
- Positronen-Emissions-Tomografie mit Magnetresonanz-Tomografie (PET/MRT).
Die Kombination aus höchster Verantwortung, interdisziplinärer Zusammenarbeit und Therapieoptionen für schwer erkrankte Patienten hat mich sofort begeistert. Mir war in diesem Moment klar: Hier möchte ich mein praktisches Jahr absolvieren!



Von der Bewerbung bis zum ersten Arbeitstag
Bereits zwei Jahre vor dem Start des praktischen Jahres (PJ) bewarb ich mich. Als ich die Zusage erhielt, war die Freude riesig. Im November 2023 war es schließlich so weit. Nach dem bestandenen zweiten Staatsexamen und der Suche nach einer Unterkunft in Berlin begann mein PJ in der Radiopharmazie der Charité.
Die ersten Tage waren intensiv. Vor allem der Umgang mit Radioaktivität löste anfangs doch Unsicherheit in mir aus: Wo endet die Faszination, wo beginnt die Gefahr? Doch Schritt für Schritt lernte ich, mit den Sicherheitsvorkehrungen und den sogenannten fünf A-Regeln (Abstand, Aufenthaltsdauer, Abschirmung, Aufnahme im Körper vermeiden, Aktivität vermindern) routiniert umzugehen. Stets unterstützt wurde ich dabei von dem interdisziplinären Team aus Apotheker*innen, Chemiker*innen, Medizinphysiker*innen, Medizinisch-technischen Radiologieassistent*innen (MTRAs), Nuklearmediziner*innen, PTAs sowie dem Kollegium aus dem Strahlenschutz.
Verantwortung von Anfang an
Besonders schätzte ich, dass mir schon früh viel zugetraut wurde. Nach wenigen Wochen durfte ich selbstständig Synthesen vorbereiten und durchführen, Produkte prüfen und Freigaben erteilen – natürlich stets unter sorgfältiger Aufsicht des Teams. Ein Arbeitstag begann in der Regel mit einem Blick in den Wochenplan: Welche Tracer werden wann benötigt? Wer übernimmt die Synthese, wer die Qualitätskontrolle? Dabei arbeitete ich schwerpunktmäßig mit Gallium-68-Radiopharmaka, die zur Diagnostik eingesetzt werden – darunter DOTATOC bei neuroendokrinen Tumoren, PSMA-11 bei Prostatakarzinomen und Exendin-NODAGA bei kongenitalem Hyperinsulinismus. Bei Gallium-68 handelt es sich um einen β+-Strahler, der eine Halbwertszeit von 68 Minuten aufweist. Die Therapie der Tumore wird bei positivem Befund anschließend z.B. mit dem β–-Strahler Lutetium-177 durchgeführt, welcher eine höhere Energie zur Bekämpfung von Tumoren und mit einer knappen Woche eine deutlich längere Halbwertszeit umfasst.
Die Herstellung der Ga68-Tracer erfolgte halbautomatisiert über Synthesemodule, wobei die korrekte Vorbereitung und die Überführung des fertigen radioaktiven Syntheseproduktes höchste Konzentration erforderten. Spannend war, den Syntheseprozess über die Aktivitätsanzeigen immer exakt mitverfolgen zu können. Mit Abschluss der Synthese begann dann auch sofort der Wettlauf gegen die Zeit. Die Radioaktivität nimmt naturgemäß (Zerfall) stetig ab, sodass die Ausbeuteberechnung, Qualitätskontrolle und Freigabe schnell und präzise erfolgen müssen. Parallel wurde das abgeschirmte Produkt schon über den Virchow-Campus zur Applikation transportiert. Innerhalb von ca. 20 Minuten mussten daher alle wichtigen Qualitätskontrollen (Radio-HPLC, Radio-TLC, pH-Wert, Halbwertszeit- und Aktivitätsmessungen sowie LAL-Test) abgeschlossen sein. Erst nach erfolgreicher Freigabe durfte der Tracer beim Patienten eingesetzt werden.
Hintergrund Radiopharmazie
- Gallium-68 → β+-Strahler, HWZ: 68 Minuten
- Lutetium-177 → β–-Strahler, HWZ: 6,64 Tage
Forschung hautnah erleben
Neben der Routinearbeit konnte ich auch an einem eigenen Forschungsprojekt arbeiten. So habe ich nach der Synthese mittels Osmometrie und Gaschromatografie jeweils den Ethanol-Gehalt der Ga68-Radiopharmaka ermittelt und verglichen. Durch eigene Literatur-Recherche und Zuarbeit zur Forschung der Arbeitsgruppe konnte ich während meines Praktikums zudem realistische Einblicke in den Forschungsalltag gewinnen.
Persönliche Bilanz
Mein beruflicher Weg führte mich nun in die Klinikapotheke, die Radiopharmazie wird mich aber dennoch
immer faszinieren. Ein innovativer Fachbereich, der meines Erachtens eine tolle Balance zwischen Krankenhausalltag sowie Forschung aufweist und nie eintönig wird. Aufgrund des Gefahrenpotenzials, des Termindrucks und der kleinen Teamgröße entsteht zudem ein enger und familiärer Zusammenhalt, der mich nachhaltig beeindruckt hat. Das Praktische Jahr in der Radiopharmazie zu absolvieren, kann ich demnach wärmstens empfehlen. Ich würde diese Erfahrung nicht missen wollen.