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Normalität mit Maß: Das vierte Pandemie-Semester beginnt

UniDAZ-Podcast zum Semesterstart

Präsenz, Hybrid – oder doch wieder online? Universitäten wollen im Wintersemester 2021/2022 Pharmazeut:innen einen größeren Anteil „normaler“ Lehre anbieten, dabei aber nichts überstürzen. Die UniDAZ-Redaktion hat sich an den Hochschulen umgehört, was Lehrende und Studierende vom kommenden Halbjahr erwarten.

Seit die Corona-Pandemie Anfang 2020 Deutschland ergriff, spielt sich das Studienleben weitgehend digital ab. Im UniDAZ-Podcast sagt Prof. Gerd Bendas, pharmazeutische Chemiker von der Universität Bonn: Insbesondere für Studieneinsteiger sei das ein großes Problem. Während sich höhere Semester besser auf die digitale Lehre einstellen konnten, machte sich bei jüngeren Studierenden denjenigen ein Leistungsabfall bemerkbar. Vor allem der soziale Austausch fehle. Immerhin: In Bonn haben auch während der Pandemie Laborpraktika ohne Abkürzungen in Präsenz stattgefunden.

Auch Prof. Dr. Ulrike Holzgrabe von der Universität Würzburg schreibt uns, dass Praktika in den letzten drei Semestern präsent stattgefunden haben. Dies sei aber auch an Grenzen gestoßen: „Da uns damit Praktikums-Zeit gefehlt hat, haben wir einen Teil der Aufgaben theoretisiert.“ An vielen Universitäten, in denen Kapazitäten rar sind, waren „theoretische Praktika“ eher die Regel als die Ausnahme. So zum Beispiel an der Freien Universität in Berlin.

Laborpraktika: Unerlässlich oder lästig?

Anne studiert in Berlin Pharmazie im Grundstudium. Sie berichtet uns, dass Lehrenden aufgefallen sei, dass Studierenden die nötige Praxis im Labor fehlt. Joscha wiederum, jetzt im siebten Semester, meint: rund die Hälfte der Studierenden hätte kein Problem damit, dass einige Praktika ausfallen oder durch Lehrvideos ersetzt werden. Denn es sei egal, ob man zweimal oder zehnmal titrieren muss, so Joscha.

Prof. Ulrike Holzgrabe ist froh, dass in Würzburg Praktika im neuen Wintersemester wieder in vollem Umfang stattfinden. „Didaktisch geht nichts über ein wirkliches Praktikum“, so Holzgrabe. Dies sei Lehrenden schon vorher von Erasmusstudierenden aufgefallen, aus Ländern, wo es aus Kostengründen weniger Praktika gibt. „Ja, es ist manchmal ärgerlich, eine Analyse wiederholen zu müssen. Aber man lernt dabei unendlich viel mehr“, so Holzgrabe.

Selten sah jemand seit dem Sommersemester 2020 Hörsäle von innen, sodass sie auch „Leersäle“ heißen könnten.
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Etwas „Normalität“ kehrt zurück

Nicht nur Praktika, auch Seminare und Vorlesungen sollen ab Oktober wieder vor Ort stattfinden – zumindest teilweise. Einige Hochschulen berichten uns, mehr als die Hälfte der Lehre soll sich in Präsenz abspielen. Andere Fakultäten legen den Fokus darauf, dass Erstsemester Hörsäle besuchen und sich kennenlernen können.

Es lässt sich zusammenfassen: Überall kehrt etwas mehr Normalität zurück, mal mehr, mal weniger. Viele „Erstis“ werden im Oktober einen fast normalen Start hinlegen. In Bonn findet sogar die Ersti-Really wieder statt, bei der Dozierende und Tutoren die Studienanfänger (mit Getränken) über das Campus-Gelände führen.

Marius Penzel, Stuttgart

Marius Penzel studierte Pharmazie in Leipzig. Nach praktischen Erfahrungen in einer öffentlichen Apotheke und einer Krankenhausapotheke begann er ein Volontariat bei der Deutschen Apotheker Zeitung.