Wechsel an der Spitze der Gesundheitspolitik

Nach Jens Spahn (CDU) hat Prof. Dr. Karl Lauterbach (SPD) in der Ampel-Koalition das Amt als Bundesgesundheitsminister angetreten. Damit übernimmt er in der aktuellen Situation keinen einfachen Posten. Der Arzt und Epidemiologe war bisher schon in zahlreichen Talkshows zu sehen. In der Bevölkerung wuchs seine Beliebtheit, während er bislang im Bundestag, dem er seit 2005 angehört, eher als unbequem galt. Davor war er bereits langjährig in einem Gremium tätig gewesen, das die damalige Gesundheitsministerin beriet. Es war auch einer seiner Vorschläge, Kosten einzusparen, indem Krankenkassen Arzneimittel bei Pharmaunternehmen ausschreiben. Im Jahr 2007 wurden schließlich die Rabattverträge eingeführt. Seinen Einfluss auf die Gesundheitspolitik setzte er zunächst als gesundheitspolitischer Sprecher seiner Fraktion und später als stellvertretender Fraktionsvorsitzender fort.
Bei einer Bundestagsrede im Dezember 2021 sagte er als neuer Bundesgesundheitsminister: „Oberstes Ziel ist für uns der Schutz der Bevölkerung in dieser Gesundheitskrise.“ Angesichts möglicher nötiger Gesetzesänderungen im Zusammenhang mit der Pandemie sagte er Folgendes: „Wir müssen hier vorgehen auch wie Mediziner: Hat sich der medizinische Befund verändert, dann müssen auch die therapeutischen Maßnahmen entsprechend angepasst werden.“ Wie sich das gestaltet und wie es für die Apothekerschaft in der neuen Legislaturperiode weitergeht, bleibt spannend. In einem der ersten Gesetze der neuen Regierung wurde es den Apotheker:innen erlaubt, COVID-19-Impfungen durchzuführen. Bereits im Jahr 2013 sagte Lauterbach gegenüber der DAZ-Redaktion: „Es kann nicht sein, dass Apotheker zunehmend zu Geschäftsleuten verkommen. Das liegt auch daran, dass das Honorarsystem dumm ist – oft ist es anders nicht möglich zu überleben. Apotheker sind extrem wertvolle Spezialisten im Gesundheitssystem. Die Ansprüche an die Beratung steigen – dafür müsste es aber auch einen Anreiz geben.“ Gerade in Hinblick auf die pharmazeutischen Dienstleistungen, über die viel spekuliert wird, macht das Hoffnung.

Desiree Aberle, Stuttgart

Desiree Aberle (dab) hat Pharmazie in Heidelberg studiert. Für eine Hälfte ihres PJs war sie in einer Klinikapotheke. Nach der Approbation arbeitete sie mehrere Jahre in einer öffentlichen Apotheke bevor sie im Oktober 2021 ihr Volontariat bei der Deutschen Apotheker Zeitung begann.