Schöne neue Approbations­ordnung

Dass die Pharmazie hierzulande näher zum Patienten rücken muss, forderte der Pharmazieprofessor Hartmut Derendorf, der im Dezember 2020 verstarb, bereits vor zehn Jahren. Eine patientenzentrierte Pharmazie sei die Lösung, wenn sich Apotheker:innen fragen würden, wofür sie die Gesellschaft einmal bezahlen wird. „Es ist fünf vor zwölf“, mahnte er in einem Vortrag anlässlich des 150. Geburtstags der Deutschen Apotheker Zeitung. Seitdem passierte aber nicht viel. Wissenschaftler stellten in einer 2018 im „International Journal of Clinical Pharmacology and Therapeutics“ veröffentlichten Studie zwölf Länder hinsichtlich der patientenorientierten Pharmazie gegenüber. Deutschland belegte zusammen mit Bosnien-Herzegowina den letzten Platz.

Die Spitzenorganisation der Apotheker (ABDA) hat nun erste Schritte unternommen, um zumindest die Lehre in der Pharmazie patientenzentrierter zu gestalten. Zur Novellierung der Approbationsordnung für Apotheker tauschte sich die Bundesapothekerkammer mit Vertretern der Hochschullehrer, Pharmaziestudierenden und anderen Fachorganisationen erstmals im Dezember 2020 an einem digitalen runden Tisch aus. 2021 finden weitere Termine statt. Wenn die Gespräche abgeschlossen sind, möchten die Diskussionspartner auf das Bundesgesundheitsministerium zugehen. Allerdings würden, so Dr. Christiane Eckert-Lill, Leiterin des Geschäftsbereichs Pharmazie der ABDA, nach der Novellierung der Approbationsordnung noch vier oder fünf Jahre vergehen, bis erste Pharmaziestudierende nach der neuen Approbationsordnung zu Apotheker:innen werden.

Pharmaziestudierende positionieren sich

Der Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD) veröffentlichte am 15. November 2020 ein Positionspapier zur Approbationsordnung. In diesem trugen die Studierenden alle Forderungen für ein neues Studium der letzten Jahre zusammen, um mit diesen in die Verhandlungen beim runden Tisch zu treten. Bei der Erneuerung des Studiums ist die Lage der Klinischen Pharmazie eine der drängendsten Baustellen. „20 Jahre nach Einführung des Faches ist es nicht nachvollziehbar, dass an einigen Standorten immer noch keine eigenständige Professur vorhanden ist“, kritisiert der BPhD in seinem Positionspapier. Die nötigen Lehrstühle für Klinische Pharmazie und Pharmakologie müssten sofort etabliert und die Lehre in ihrem Umfang ausgeweitet werden. Vor allem dafür müsse das Studium um zwei Semester verlängert werden. Die Frage, ob die Regelstudienzeit gestreckt werden soll, könnte beim Gesetzgebungsverfahren zum Streitpunkt werden. Hiermit wären finanzielle Aufwendungen für die Bundesländer verbunden, sodass diese über den Bundesrat die „Entzerrung“ blockieren könnten. Im Positionspapier erläutert der BPhD außerdem konkrete Vorstellungen zu allen Stoffgebieten des Pharmaziestudiums.

Der BPhD betont, dass die Abstimmung der Lehrinhalte besser werden muss. Wenn sich Fakultäten richtig koordinieren würden, könnten Lehrende nicht nur ein besseres Verständnis fördern, sondern auch Zeit durch doppelt gelehrte Inhalte sparen. Der BPhD fordert die Universitäten auf, dafür Modellprojekte zu etablieren, die die jeweiligen Landesregierungen fördern sollen. Außerdem sollen die Hochschulen Abkommen mit Universitäten im Ausland schließen und so den internationalen Austausch fördern. Die neue Approbationsordnung sollte zudem die Anerkennung von im Ausland erworbenen Leistungen festlegen.

15 Monate mehr BAföG

Eine Verordnung zur Neuregelung der ärztlichen Ausbildung leitete das Bundesministerium für Gesundheit übrigens in den letzten Monaten in die Wege. Die neue Approbationsordnung für Ärzte soll zum 1. Januar 2025 in Kraft treten. Die Verordnung bringt aber auch eine Änderung für die Approbation für Apotheker mit sich: Anders als bisher sollen nun das Praktische Jahr und Prüfungszeiten für die Regelstudienzeit in der Pharmazie berücksichtigt werden. Damit beträgt die Regelstudienzeit nach der Änderung nicht mehr vier Jahre, sondern fünf Jahre und drei Monate. Pharmaziestudierende haben somit auch einen 15 Monate längeren Anspruch auf BAföG. Die Änderung für das Pharmaziestudium soll einen Tag, nachdem die Verordnung zur Neuregelung der ärztlichen Ausbildung verkündet wurde, in Kraft treten.

Marius Penzel, Stuttgart

Marius Penzel studierte Pharmazie in Leipzig. Nach praktischen Erfahrungen in einer öffentlichen Apotheke und einer Krankenhausapotheke begann er ein Volontariat bei der Deutschen Apotheker Zeitung.