Wie du mentale Gesundheit und Studium unter einen Hut bekommst

Das Studium ist eine tolle Zeit, vielleicht sogar die schönste Zeit im Leben. Aber gleichzeitig musst du einige Herausforderungen meistern. Du führst ein selbstständiges Leben in einer neuen Umgebung und stellst dich auf neue Lern- und Prüfungsbedingungen ein. Dies kann zu Stress und Zeitdruck führen – besonders dann, wenn du in der Klausurenphase steckst.

Im vergangenen Semester untersuchten wir beim Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland e. V. (BPhD) das Thema „Mentale Gesundheit im Pharmaziestudium”. Dabei initiierten wir eine Umfrage, an der insgesamt über 4000 Pharmaziestudierende und Pharmazeut*innen im Praktikum (PhiP) teilnahmen. Dabei gaben 94% der Befragten an, dass sie sich durch das Studium gestresst fühlten. Als Stressfaktoren wurden unter anderem der große Stoffumfang, das Anforderungsniveau der Veranstaltungen sowie die zeitliche Vereinbarkeit von Studium und Freizeit genannt. Vor allem Letzteres überrascht nicht, da der wöchentliche Zeitaufwand im Durchschnitt 39,5 Stunden beträgt und sich somit direkt hinter den zeitintensivsten Studiengängen Veterinär- und Zahnmedizin einreiht.

Der Stress spiegelt sich auch darin wider, dass fast 20% unseren Studiengang auf keinen Fall empfehlen würden. Lediglich 8% würden dies uneingeschränkt tun. Außerdem leidet ein Achtel aller Befragten nach eigenen Aussagen an einer studienbedingten psychischen Erkrankung. Student:innen an den verschiedenen Standorten für Pharmazie empfinden den Stress unterschiedlich stark: Pharmaziestudierende der Universitäten in Düsseldorf, Hamburg und Tübingen erleben ihr Studium weitaus stressiger als diejenigen in Heidelberg und Leipzig. Bei den beiden letzteren Universitäten werden im Durchschnitt auch weniger Semester wiederholt. Laut Umfrage wiederholen 37% der Pharmaziestudierenden mindestens ein Semester, oft auch mehrere.

Zeit für dich

Die Ergebnisse sollten uns wachrütteln und verdeutlichen, wie wichtig mentale Gesundheit im Studium ist. Zudem wirft die Umfrage die Frage auf, ob Stress die Ausbildungsqualität von Apotheker:innen langfristig verringert. Um Stress zu reduzieren, müssen wir Strategien entwickeln. Hierfür bieten sich zwei Ansatzpunkte: Zum einen kann man sich selbst der stressigen Situation im Studium anpassen. Zum anderen kann das Studium so gestaltet werden, dass es als weniger stressig empfunden wird. Letzteres könnte durch einen Austausch zwischen den Studienstandorten gelingen.

Erfahrungsgemäß erfordert es viel Kraft und Zeit von Studierenden und Dozierenden, die Lehre zu reformieren. Deshalb ist es wichtig, dass du dich proaktiv um dein Wohlbefinden kümmerst und auch deine Kommiliton:innen dabei unterstützt. Um darauf aufmerksam zu machen, haben wir beim BPhD unter anderem die Kampagne „Zeit für mich“ ins Leben gerufen. Mit der Kampagne sollt ihr unterstützt werden, um euch bewusst Zeit zu nehmen und dem Stress im Alltag entkommen zu können. Dies kommt leider oft zu kurz.

Unter anderem hat der BPhD Postkarten erstellt, die Tipps enthalten, wie du dich entspannen kannst. Zum Beispiel helfen Meditation, Sport, Spaziergänge, kreatives Austoben oder einfach mal der Genuss deines Lieblingstees in aller Ruhe. Was dir am meisten Entspannung verschafft, ist dir natürlich selbst überlassen. Im Rahmen einer Foto-Challenge anlässlich der Mental Health Week im vergangenen Mai haben einige Pharmaziestudierende ihre individuellen Stressbewältigungsstrategien gezeigt, um anderen neue Inspiration zu geben. Die Beiträge findest du auf Instagram unter #zeitfuermich_bphd.

Freiräume durch Struktur

Solltest du das Gefühl haben, dass du schon jetzt keine freie Minute hast – erst recht keine Zeit für Entspannung – ist das verständlich. Das Pharmaziestudium ist ein Vollzeitjob. Nebenbei musst du dich um den Haushalt und dein Leben kümmern und eventuell arbeiten. Um das alles unter einen Hut zu bekommen, ist ein gutes Zeitmanagement unabdingbar.

Zunächst solltest du realistische Ziele setzen, nach denen du deine Planung klar ausrichten kannst. Deine Ziele solltest du anschließend priorisieren. Hierbei hilft das Aufstellen von Plänen, zum Beispiel in Form einer To-do-Liste. Auch die Länge der Aufgaben zu schätzen und Pufferzeiten einzuplanen ist praktisch. Anschließend solltest du möglichst produktiv an der Umsetzung deiner Pläne arbeiten. Sich eine gute Lern- und Arbeitsatmosphäre zu schaffen und sich Pausen zu gönnen hilft dabei.

Eine Methode, um produktives Arbeiten zu erleichtern, ist die 60-60-30-Methode, bei der man sich nach Ablauf der ersten 60 Minuten hochfokussierter Arbeit eine fünfminütige Pause genehmigt, dann weitere 60 Minuten arbeitet und sich danach 30 Minuten entspannt, bevor man möglicherweise einen weiteren Zyklus beginnt. Wenn du effiziente Gewohnheiten aufbaust, erzielst du gute Ergebnisse, die dich wiederum zum Weitermachen motivieren. Unsere Umfrage zu mentaler Gesundheit hat darüber hinaus ergeben, dass auch das Pflegen von sozialen Kontakten, ausreichend Schlaf und Bewegung wirkungsvolle Strategien zur Stressbewältigung sind. Wichtig ist vor allem, dass du frühzeitig eine Strategie findest, die für dich gut funktioniert.

Zum Thema mentale Gesundheit haben wir außerdem eine Social-Media-Kampagne gestartet, den #MentalMonday, welcher ein weites Spektrum an Themen beleuchtet. Wir wollen über psychische Erkrankungen aufklären und Betroffenen das Stigma nehmen. Das Projekt soll dir helfen, Einbußen deiner mentalen Gesundheit vorzubeugen und Mitstudierende unterstützen zu können. Dies kann dir beispielsweise gelingen, indem du Verständnis zeigst und sie auf Beratungsangebote an den Universitäten aufmerksam machst. Denn eines der schönsten Dinge am Studium ist das Zusammensein: Du umgibst dich mit Leuten, mit denen du Interessen, aber auch Freud und Leid teilst.

Die genauen Ergebnisse unserer Umfrage kannst du auf der Website des Bundesverbands der Pharmaziestudierenden in Deutschland e. V. ansehen.

Annika Weik

Annika Weik war bis 2020 Koordinatorin für Public Health beim Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland.